Stufen des Lebens nahm den Anfang in einem Ort in Württemberg, in Willsbach, wo Religionspädagogin Waltraud Mäschle mit den ihr von Gott geschenkten Gaben auf kreative und sehr individuelle Weise Kurse – man könnte auch Gesprächsthemen sagen - entwickelt hat, die deutlich machen, wie aktuell die Geschehnisse der Bibel in unser Leben hinein sprechen.

 

Aus Gesprächen mit Menschen, die sie während einer lebensbedrohenden Krankheit besuchten, verstand sie, wie viele Erwachsene keinen Zugang zum Evangelium, zur Bibel und zum Glauben finden konnten.

 

Gott legte ihr aufs Herz, ihren Religionsunterricht, mit dem sie Jugendliche für das Evangelium begeistert hatte, so umzuformen, dass auch Erwachsene sich darin wiederfinden und eine Verbindung von Gottes Wort zum eigenen Leben entdecken können.

 

Mit gebräuchlichen Materialien wird in der Mitte des Teilnehmer-Kreises ein „Bodenbild“ entwickelt, das häufig mehr ausdrückt und tiefer empfunden wird als gesprochene Worte.

 

Als ich 1997 diese Arbeit kennenlernte, war Frau Mäschle in ganz Deutschland unterwegs, um ihre Idee - Menschen mit dem Evangelium zu erreichen - vorzustellen. In Bayern hatte sie sich das Tagungshaus der Christusbruderschaft in Selbitz ausgesucht.

 

Ich muss gestehen, es war das Drängen unseres Ortspfarrers Christoph Jaeschke, das mich zu so einem Seminar nach Selbitz fahren ließ. Was ich dort erlebte, hat mich restlos überrascht.

 

Ich war berührt und begeistert darüber, wie ich und mein Leben so bildlich und nachvollziehbar in einer biblischen Geschichte vorkommen.

 

In mir hörte ich immer wieder eine Stimme sagen: „Das kannst du doch nicht für dich behalten“, und so bot ich – allerdings sehr zaghaft – diesen selbst erlebten Kurs in der Kirchengemeinde in Rückersdorf an.  Aus dem kleinen Anfang erwuchs eine wunderbare Arbeit mit jährlich zwei Kursen.

 

Allein dadurch, dass die Teilnehmenden erfahren, bei Stufen des Lebens sind sie wert geachtet, persönlich gemeint und ohne Vorbehalte willkommen, ist dieses Angebot im Umkreis bekannt geworden. Es kamen Menschen aus der näheren und weiteren Umgebung dazu, manche mit Fragen, manche mit Vorurteilen oder bereits fertigen Antworten, und so entstanden dann recht bald vier Kurse.

 

Einen starken Mutmacher hatte ich in Diakon Georg Herrmannsdörfer, der diese Arbeit mit begonnen hat.

 

Gemeinsam erlebten wir weitere von Waltraud Mäschle erarbeitete Themen und gaben diese als Multiplikatoren in Kursleiter-Seminaren im Gästehaus der Christusbruderschaft in Selbitz an Menschen weiter, die sich dazu einladen ließen.

 

Die Kursleiter-Seminare finden weiterhin an 3 zusammenhängenden Tagen dort statt, jedoch wird an anderen Orten auch die Möglichkeit von 2 aufeinanderfolgenden Samstagen angeboten.

 

Als G. Herrmannsdörfer neue Aufgaben bekam, übernahm Diakon Friedrich Rößner diese Stelle. Stufen des Lebens liegt ihm ebenfalls am Herzen und er steht aktiv in der Mitarbeit und bildet außerdem die Verbindung zum Amt für Gemeindedienst der bayrischen Landeskirche.

 

Dass der „Herr dieses Haus baut“ (Psalm 127,1) zeigt sich sehr deutlich an der Ausbreitung von Stufen des Lebens. Inzwischen gibt es in Bayern ca. 70 Orte, an denen diese Kurse Menschen mit dem Evangelium erreichen und ein Weg in die Nachfolge Jesu Christi sind.

 

Es zeigt sich auch daran, dass wir inzwischen ein Team von 4 Multiplikator/-innen geworden sind, die neben Ortskursen die Kursleiter-Ausbildung verantworten, und 3 Co-Multiplikatorinnen, die dabei unterstützen und in die Verantwortung hineinwachsen.

Wie sieht nun so ein Stufen des Lebens-Kurs aus? An 4 Abenden oder Vormittagen, jeweils 2 Stunden und verteilt über 4 Wochen wird eine Lebenssituation bewegt und mit einer Geschichte der Bibel verbunden.

 

Diese 4 Abende bilden ein Ganzes und sind unter einem Thema zusammengebunden, wie z.B. „Ein Platz an der Sonne“. Es gibt bisher 17 verschiedene Themen mit jeweils 4 Einheiten.

 

Das Besondere und Einzigartige an dieser Arbeit ist, dass in jeder Einheit ein Bodenbild entsteht. Aus Erfahrung kann ich sagen, dieses Bodenbild geht mit mir und den Teilnehmenden und kommt häufig in Alltagssituationen in Erinnerung, wo es darum geht, entsprechend zu handeln. Bilder sprechen uns bekanntlich tiefer an als Worte es tun.

 

In diesem Jahr - 2017 - dürfen wir mit Lob und Dank auf eine 20jährige Arbeit mit Stufen des Lebens in Bayern zurückblicken, in wir bei vielen Situationen und Unwegsamkeiten Gottes Eingreifen und seine Hilfe erfahren haben.

 

Mein Leben ist reich gesegnet worden durch Stufen des Lebens. Gott hat mir einen neuen Blickwinkel aus der Vielfalt seines unerschöpflichen Reichtums eröffnet und ich durfte die Weite seiner Schöpfung und Fürsorge in den Teilnehmenden entdecken, ja erleben, wie Gott Menschen durch diese Arbeit ermutigt, von Lasten und Bedrückungen befreit, tröstet und an sein Herz zieht.

 

 

Hanna Tuengerthal